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Römerlatschen DDR

Von Sven Aktualisiert: 27. Juli 2026 Lesezeit: 3 Min.

Ein leises Klatschen auf dem heißen Gehwegplattenweg, dazu der Geruch von warmem Kunstleder: Wer im Osten aufgewachsen ist, hat die Römerlatschen im Ohr, bevor er sie vor Augen hat. Die riemenbesetzten Sommersandalen gehörten zwischen Ostsee und Erzgebirge zur warmen Jahreszeit wie das Selterswasser aus dem Siphon.

Was Römerlatschen überhaupt sind

Römerlatschen sind flache Sommersandalen, deren Oberteil aus mehreren waagerechten oder gekreuzten Riemen besteht, die den Fuß über Rist und Zehen halten. Der Name spielt auf die Sandalen des antiken Rom an, mit dem Bademeister-Charme der Kaiserzeit hatten die DDR-Modelle aber wenig gemein. Typisch war die schlichte, robuste Machart: eine feste Sohle, darüber ein Geflecht aus Riemen, oft ohne aufwendige Schnallen. Getragen wurden sie von Kindern wie Erwachsenen, im Schrebergarten, am Baggersee und auf dem Weg zur Kaufhalle.

Anders als der geschlossene Alltagsschuh war die Römerlatsche bewusst luftig. Sie stand für die kurze, aber intensiv gefeierte Sommerzeit, in der Sandalen, kurze Hosen und der Ausflug ins Grüne zusammengehörten.

Materialien zwischen Plaste, Kunstleder und echtem Leder

Die DDR-Planwirtschaft prägte auch das Schuhwerk. Echtes Leder war nicht immer und überall verfügbar, weshalb viele Sandalen aus Kunstleder oder aus den damals allgegenwärtigen Plaste-Werkstoffen gefertigt wurden. Wer ein Paar aus weichem Naturleder ergatterte, hütete es entsprechend. Produziert wurde in volkseigenen Betrieben der Schuhindustrie, verkauft über HO und Konsum, und was im Laden lag, wurde gekauft, notfalls auch eine halbe Nummer daneben.

Die Sohlen bestanden häufig aus Gummi oder einem Kunststoffmaterial, das im Hochsommer gern weich wurde und den namensgebenden Latsch-Klang erzeugte. Gerade das machte den Charme aus: Die Schuhe waren pflegeleicht, ließen sich am Seeufer kurz abspülen und trockneten schnell. Wer es lieber ganz offen mochte, griff zu den verwandten DDR Jesuslatschen, während für kühlere Tage die geschlossenen Varianten aus dem Sortiment der DDR Sandalen bereitstanden.

Römerlatschen im Alltag der DDR

Die Römerlatsche war ein demokratischer Schuh: unkompliziert, günstig, für fast jede Gelegenheit im Sommer passend. Kinder trugen sie im Ferienlager und beim Spielen auf dem Hof, Erwachsene beim Gartenumgraben oder auf dem Campingplatz an der Ostsee. In Kombination mit Dederon-Kleidung, kurzen Hosen und Sonnenhut ergab sich das typische Sommerbild jener Jahre.

Praktisch war auch, dass die Sandale barfuß oder über dünnen Socken funktionierte. Zwischen Wohnungstür und Straße übernahmen ohnehin oft die DDR Hausschuhe, doch sobald es nach draußen ging, waren die luftigen Riemenschuhe erste Wahl. Reparieren statt wegwerfen war Alltag: Ein gerissener Riemen wurde geklebt oder vernäht, die Sandale hielt oft mehrere Sommer durch, bis sie an ein jüngeres Geschwisterkind weiterwanderte.

Warum die Römerlatsche heute Ostalgie-Kult ist

Mit der Wende verschwanden viele vertraute Marken und Modelle aus den Regalen. Genau das macht Originale heute für Sammler interessant. Wer ein Paar Römerlatschen aus DDR-Produktion findet, hält ein Stück Alltagsgeschichte in der Hand, das mehr über den Sommer im Osten erzählt als manches Museumsstück. Auf Flohmärkten, in Nachlässen und bei Ostalgie-Treffen tauchen sie immer wieder auf, häufig neben anderen Textilklassikern aus dem Bereich DDR Bekleidung.

Der Reiz liegt in der Ehrlichkeit des Designs: keine Logos, keine Modeschau, nur ein zweckmäßiger, gut getragener Sommerschuh. Für viele weckt schon der Anblick Erinnerungen an Kindheitssommer, an das Klappern auf dem Betonplattenweg und an die erste eigene Sandale, die man voller Stolz durch die Kaufhalle trug.

Häufige Fragen

Woher kommt der Name Römerlatschen? +

Der Name bezieht sich auf die riemenbesetzten Sandalen des antiken Rom. Weil das Oberteil aus mehreren Riemen statt aus geschlossenem Leder besteht, erinnerte die Machart an römische Sandalen. Der Zusatz Latschen verweist auf den flachen, bequemen und offenen Sommerschuh.

Aus welchem Material waren Römerlatschen in der DDR? +

Je nach Verfügbarkeit bestanden sie aus echtem Leder, häufiger aber aus Kunstleder oder Plaste-Werkstoffen. Die Sohlen waren meist aus Gummi oder Kunststoff. Echtes Leder war knapp und wurde entsprechend geschätzt und gepflegt.

Wo hat man Römerlatschen in der DDR gekauft? +

Verkauft wurden sie über die staatlichen Handelsketten HO und Konsum sowie in Kaufhäusern und Kaufhallen. Hergestellt wurden sie in volkseigenen Betrieben der Schuhindustrie. Das Angebot richtete sich nach der Planwirtschaft, weshalb nicht immer jede Größe verfügbar war.

Sind Römerlatschen dasselbe wie Jesuslatschen? +

Nicht ganz. Beide sind offene Sommersandalen, doch Jesuslatschen sind meist noch schlichter und stärker reduziert auf wenige breite Riemen. Römerlatschen haben tendenziell ein feineres Riemengeflecht, das den Fuß an mehreren Stellen hält.

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