Die DDR-Luftmatratze
Aufgeklappter Trabant-Kofferraum, ein Zeltplatz an der Ostsee und dieses unverwechselbare Quietschen von PVC auf nasser Haut: Kaum ein Gegenstand steht so sehr für den DDR-Sommer wie die Luftmatratze. Ob am Baggersee, im Freibad oder als Notbett für Besuch – sie war leicht, billig und immer dabei.
Warum die Luftmatratze zum DDR-Sommer einfach dazugehörte
Wer in der DDR seinen Urlaub plante, hatte selten die freie Wahl. Ein Ferienplatz beim FDGB-Feriendienst war heiß begehrt, und so landeten unzählige Familien mit Zelt und Klappliege auf den Campingplätzen an der Ostsee, an der Müritz oder am nächstgelegenen Baggersee. Die Luftmatratze war dabei das Multitalent: tagsüber Badeinsel und Sonnenliege, nachts Matratzenersatz im Zelt. Zusammengerollt passte sie in jede Ecke des Kofferraums – ob im Trabant oder im etwas geräumigeren Wartburg.
Gerade weil Urlaubsgepäck knapp bemessen war, schätzte man Dinge, die wenig wogen und viel konnten. Eine aufgeblasene Matratze ersetzte eine ganze Isomatte, diente als Sitzgelegenheit am Lagerfeuer und wurde bei FKK-Ausflügen an der Ostsee ganz selbstverständlich mit ins Wasser genommen. Für viele gehört das Bild einer leuchtend blau-orangen Matratze auf dem Wasser bis heute fest zur Erinnerung an den Sommer im Osten.
Plaste, Ventil und Blasebalg: Wie die Matratzen gebaut waren
Luftmatratzen bestanden fast immer aus PVC – im DDR-Sprachgebrauch schlicht "Plaste". Der berühmte Slogan "Plaste und Elaste aus Schkopau" bewarb genau jene Kunststoffe, die aus der chemischen Industrie des Landes kamen. Die Matratzen wurden in längs verlaufende Luftkammern unterteilt, damit sie im Wasser die Form hielten und einigermaßen stabil trugen. Typisch waren kräftige Farbstreifen, oft in Blau, Orange oder Rot.
Aufgepumpt wurde per Hand: mit einem Blasebalg unter dem Fuß oder mit einer kleinen Handpumpe. Das Ventil war ein simpler Gummistopfen, den man nach dem Aufpumpen umknickte und in die Öffnung drückte – wer es zu locker verschloss, verlor über Nacht Luft und wachte morgens auf dem harten Zeltboden auf. Repariert wurde nicht weggeworfen: Ein Loch flickte man mit einem PVC-Flicken und Klebstoff, ganz so wie beim Fahrradschlauch. Diese Mentalität des Reparierens zog sich durch den gesamten DDR-Haushalt.
Vom Zeltplatz ins Wohnzimmer: mehr als nur Badespaß
Die Luftmatratze blieb nicht auf den Sommer beschränkt. Kam unerwartet Besuch und reichten die Betten nicht, wurde sie im Wohnzimmer aufgeblasen und mit DDR-Bettwäsche bezogen – ein improvisiertes Gästebett, das jeder kannte. Kinder nutzten sie als Turngerät, Hüpfburgersatz oder Rutschbahn, und beim Camping diente sie zusammen mit Klapptisch, DDR-Grill und Thermoskanne zur kompletten Freizeitausstattung.
Genau diese Vielseitigkeit macht den nostalgischen Reiz aus. Wer heute eine Luftmatratze im Retro-Stil sucht, verbindet damit weniger die reine Funktion als ein Lebensgefühl: unkomplizierter Urlaub, wenig Gepäck, viel Zeit am Wasser.
Luftmatratzen im Vergleich
Happy People 78032 - Sitz-Liegematratze PVC-Mikrofaser Camping Pool Wasserliege Luftmatratze mit Beschichtung Strandliege Wasser Outdoor Lounge aufblasbar
Happy People 78013 Box-Kastenmatratze PVC mit Mikrofaser Beschichtung Rot/Blau ca.192x60x15 cm
Worauf du beim Kauf achten solltest
Moderne Luftmatratzen und Sitz-Liegematratzen haben mit den dünnen Plaste-Modellen von damals wenig gemein, taugen aber genauso für Camping, Pool und Gästebett. Diese Punkte helfen bei der Auswahl:
- Material und Oberfläche: Reines PVC quietscht und klebt bei Hitze auf der Haut. Modelle mit Mikrofaser- oder Veloursbeschichtung auf der Oberseite liegen sich deutlich angenehmer und rutschen weniger.
- Bauhöhe und Kammern: Box- oder Kastenmatratzen mit mehreren Luftkammern und höherer Bauform bieten mehr Liegekomfort als flache Einkammer-Matratzen – gerade als Ersatzbett für Erwachsene.
- Ventiltyp: Schraub- oder Doppelhubventile halten die Luft zuverlässiger als einfache Stopfen und lassen sich schneller aufpumpen. Achte darauf, ob eine Pumpe im Lieferumfang ist.
- Einsatzzweck: Für den Pool reicht eine leichte Schwimmmatratze, fürs Zelt solltest du auf eine robustere, isolierende Variante setzen, die den kalten Boden abschirmt.
- Maße: Prüfe Länge und Breite ehrlich gegen deine Körpergröße und den Platz im Zelt – aufgeblasen wirken viele Modelle kürzer, als die Verpackung verspricht.
Wer die komplette Camping-Nostalgie nachstellen will, ergänzt die Matratze gern um eine passende DDR-Trinkflasche für den Ausflug an den See.
Pflege, Reparatur und Lagerung
Damit eine Luftmatratze viele Sommer übersteht, lohnt sich etwas Sorgfalt. Ein kleines Loch findest du am schnellsten, indem du die aufgeblasene Matratze unter Wasser drückst und auf aufsteigende Luftblasen achtest. Geflickt wird mit einem PVC-Reparaturset, genau wie beim Fahrradschlauch: Stelle trocknen, Kleber auftragen, Flicken andrücken und aushärten lassen. Zum Einlagern die Matratze vollständig trocknen, locker rollen statt scharf knicken und kühl sowie dunkel aufbewahren – so wird das Material nicht spröde.
Gibt es die DDR-Luftmatratze noch im Original?
Echte Plaste-Matratzen aus DDR-Produktion tauchen gelegentlich auf Flohmärkten und Sammlerbörsen auf, sind aber nach Jahrzehnten oft porös und nicht mehr dicht. Wer die Nostalgie zuverlässig nutzen möchte, fährt mit einer modernen Luftmatratze im Retro-Look besser: gleiche Farbstreifen-Optik, aber dichtere Ventile und robusteres Material. Für Vitrine oder Deko kann ein Original reizvoll sein, fürs Wasser lohnt sich die Neuware.
Häufige Fragen
Woraus bestanden DDR-Luftmatratzen? +
DDR-Luftmatratzen bestanden aus PVC, im Alltag schlicht Plaste genannt. Der Kunststoff kam aus der chemischen Industrie des Landes, bekannt durch den Werbeslogan Plaste und Elaste aus Schkopau. Die Matratzen hatten längs verlaufende Luftkammern und meist kräftige Farbstreifen.
Wie wurde eine Luftmatratze in der DDR aufgepumpt? +
Aufgepumpt wurde von Hand, meist mit einem Fußblasebalg oder einer kleinen Handpumpe. Verschlossen wurde die Matratze über einen Gummistopfen, den man nach dem Aufpumpen umknickte und in die Ventilöffnung drückte.
Wofür wurde die Luftmatratze außer zum Baden genutzt? +
Sie war ein echtes Multitalent: als Badeinsel und Sonnenliege am Baggersee oder an der Ostsee, als Matratzenersatz im Zelt und als improvisiertes Gästebett im Wohnzimmer, wenn die regulären Betten nicht ausreichten.
Kann man kaputte Luftmatratzen reparieren? +
Ja. Kleine Löcher lassen sich mit einem PVC-Flicken und Kleber abdichten, ähnlich wie bei einem Fahrradschlauch. In der DDR gehörte das Flicken zum Alltag, weil neue Matratzen nicht immer schnell verfügbar waren.
Wie lagere ich eine Luftmatratze richtig? +
Vor dem Einlagern vollständig trocknen lassen, locker aufrollen statt scharf zu knicken und kühl sowie dunkel aufbewahren. So bleibt das PVC geschmeidig und wird nicht spröde oder brüchig.
Gibt es DDR-Luftmatratzen noch neu zu kaufen? +
Echte DDR-Originale sind selten und meist undicht. Es gibt aber moderne Luftmatratzen im Retro-Look mit den typischen Farbstreifen, die dichter und robuster sind als die alten Plaste-Modelle.
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